Der Nacht ergeben - Guardians of Eternity 1 - Roman

von: Alexandra Ivy

Diana Verlag, 2009

ISBN: 9783641031565 , 448 Seiten

Format: ePUB, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 7,99 EUR

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Der Nacht ergeben - Guardians of Eternity 1 - Roman


 

KAPITEL 1
Chicago, 2006
 
 
O Gott, Abby! Keine Panik. Bloß … keine … Panik.«
Abby Barlow atmete tief ein, presste die Hände auf ihren rebellierenden Magen und studierte die Keramikscherben, die auf dem Boden verstreut lagen.
Okay, sie hatte also eine Vase zerbrochen. Nun ja, vielleicht war es mehr als »zerbrochen«. Eigentlich hatte sie die Vase eher zerschmettert, zertrümmert und vernichtet, gestand sie sich widerwillig ein. Na und? Das war nicht das Ende der Welt. Eine Vase war eine Vase. Oder?
Unvermittelt schnitt sie eine Grimasse. Nein, eine Vase war nicht einfach nur eine Vase. Nicht, wenn es sich dabei um eine sehr seltene Vase handelte. Eine Vase von unschätzbarem Wert. Eine, die zweifellos in einem Museum hätte stehen sollen. Eine, die der Traum jedes Sammlers war und …
Verdammter Mist.
Erneut zeigte die Panik ihre hässliche Fratze.
Sie hatte eine unbezahlbare Mingvase zerstört.
Was, wenn sie ihren Job verlor? Zugegeben, es war kein besonders toller Job. Verdammt, sie fühlte sich jedes Mal, als ob sie in die Twilight Zone einträte, wenn sie die elegante Villa am Stadtrand von Chicago betrat. Aber ihre Tätigkeit als Gesellschafterin Selena LaSalles war nicht besonders anstrengend. Und die Bezahlung war deutlich besser, als wenn sie in irgendeiner Spelunke arbeiten würde.
Das Letzte, was sie brauchte, war, in die langen Schlangen beim Arbeitsamt zurückzukehren.
Oder noch schlimmer … lieber Gott, was, wenn sie für die verdammte Vase bezahlen musste?
Selbst wenn es so etwas wie einen Ausverkauf in der örtlichen Mingfabrik gäbe, würde sie zehn Leben lang arbeiten müssen, um eine solche Summe aufzubringen. Vorausgesetzt, die Vase wäre nicht die Einzige ihrer Art.
Die Panik zeigte inzwischen nicht mehr nur ihre Fratze. Sie lief in ihr zur Hochform auf.
Es gab nur eins, was sie tun konnte, nur eine einzige erwachsene, verantwortungsvolle Art, mit der Situation umzugehen.
Sie musste die Beweise verstecken.
Verstohlen sah sich Abby in der riesigen Eingangshalle um und vergewisserte sich, dass sie allein war, bevor sie sich auf die Knie niederließ und die zahlreichen Scherben einsammelte, mit denen der glatte Marmor übersät war.
Es würde niemandem auffallen, dass die Vase fehlte, versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Selena war schon immer eine Einsiedlerin gewesen, und in den vergangenen beiden Wochen war sie fast ganz von der Bildfläche verschwunden. Ohne ihre gelegentlichen Kurzauftritte, bei denen sie verlangte, dass Abby dieses ekelhafte Kräutergebräu, das sie mit scheinbarem Vergnügen in sich hineinkippte, für sie bereitete, hätte Abby denken können, dass die Frau die Flatter gemacht hätte.
Ganz sicher streifte Selena nicht durchs Haus, um eine Bestandsliste ihrer diversen Kostbarkeiten aufzustellen.
Alles, was Abby tun musste, war sicherzustellen, dass sie keine Spur von ihrem Verbrechen hinterließ, und dann würde alles schon in Ordnung sein.
Niemand würde je davon erfahren.
Niemand.
»Na, so was, ich hätte nie gedacht, Sie irgendwann auf Händen und Knien zu sehen, Liebste. Eine höchst faszinierende Position, die zu einer Vielzahl köstlicher Möglichkeiten einlädt«, klang eine spöttische Stimme vom Eingang des Salons zu ihr herüber.
Abby schloss die Augen und holte tief Luft. Sie war verflucht. Das musste es sein.Wie sonst wäre ihre endlose Pechsträhne zu erklären?
Einen Moment lang drehte sie der Stimme noch den Rücken zu und hoffte sinnloserweise, Selenas Gast, der ausgesprochen nervtötende Dante, würde verschwinden. Es wäre immerhin möglich. Immerhin gab es spontane Selbstentzündung oder schwarze Löcher oder Erdbeben.
Leider tat sich nicht der Boden auf, um den Kerl zu verschlucken, und auch die Rauchmelder gaben kein Alarmsignal von sich. Und was noch schlimmer war: Sie konnte tatsächlich spüren, wie sein finsterer, belustigter Blick gemächlich über ihre steife Gestalt glitt.
Abby zwang sich, sich langsam umzudrehen. Sie hielt die Scherben der zerbrochenen Vase hinter ihrem Rücken versteckt, während sie den jüngsten Fluch ihrer Existenz betrachtete.
Er sah nicht wie ein Fluch aus. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Er wirkte wie ein appetitlicher, gefährlich verführerischer Pirat.
Abby, die immer noch auf dem Boden kniete, ließ es zu, dass ihr Blick über die schwarzen Bikerstiefel und die langen, kraftvollen Beine schweifte, die in ausgeblichene Jeans gehüllt waren. Immer höher glitt ihr Blick, über das schwarze Seidenhemd, das locker seinen Oberkörper bedeckte. Locker, aber nicht locker genug, musste sie mit einem verräterischen Schauder zugeben. Peinlicherweise hatte sie sich selbst dabei erwischt, in den letzten drei Monaten wiederholt verstohlene Blicke auf das Muskelspiel unter diesen Seidenhemden geworfen zu haben.
Okay, vielleicht hatte sie mehr als nur verstohlene Blicke geworfen. Vielleicht hatte sie gestarrt. Geglotzt. Gegafft. Und ab und zu gesabbert.
Aber welche Frau hätte das nicht?
Mit zusammengebissenen Zähnen zwang sie sich, ihren Blick auf das Alabastergesicht mit den perfekt gemeißelten Zügen zu lenken. Eine breite Stirn, eine schmale aristokratische Nase, ausgeprägte Wangenknochen und sinnliche Lippen.
Es war das Gesicht eines edlen Kriegers. Eines Häuptlings.
Bis einem diese hellen Silberaugen auffielen. Darin lag nichts Adeliges. Sie waren durchdringend und gefährlich, und in ihnen flackerte eine spöttische Belustigung über die Welt. Es waren Augen, die ihn ebenso als Schurken brandmarkten wie das lange rabenschwarze Haar, das ihm lässig über die Schultern fiel, und die großen goldenen Ohrringe. Er war Sex auf Beinen. Ein Raubtier. Einer von den Typen, die Frauen wie sie mit erbärmlicher Mühelosigkeit verschlangen und wieder ausspuckten.
Allerdings nur, wenn sie Frauen wie sie überhaupt erst bemerkten.Was nicht gerade besonders oft geschah.
»Dante. Müssen Sie unbedingt so herumschleichen?«, fragte sie und war sich des unbezahlbaren Durcheinanders, das sich direkt hinter ihr befand, verzweifelt bewusst.
Er tat so, als würde er über ihre Frage nachdenken, bevor er leicht mit den Achseln zuckte.
»Nein, ich nehme nicht an, dass ich herumschleichen muss«, murmelte er mit seiner rauchigen Schlafzimmerstimme. »Aber ich genieße es einfach, es zu tun.«
»Nun ja, es ist eine sehr vulgäre Angewohnheit.«
Seine Lippen zuckten belustigt, während er sich ihr weiter näherte. »Oh, ich verfüge über weitaus mehr vulgäre Angewohnheiten, süße Abby. Ich habe keinen Zweifel daran, dass Sie einige davon sehr genießen würden, wenn Sie es mir erlaubten, sie Ihnen zu demonstrieren.«
O ja, darauf konnte sie wetten. Diese schlanken, teuflischen Hände würden eine Frau ohne Zweifel vor Lust schreien lassen. Und diese Lippen …
Rasch erstickte sie diese wilden Fantasien im Keim und rief den Ärger wach, den sie wohl eigentlich empfinden sollte.
»Igitt. Sie sind abstoßend.«
»Vulgär und abstoßend?« Sein Lächeln wurde breiter und enthüllte überraschend weiße Zähne. »Meine Süße, Sie befinden sich in einer zu prekären Lage, um mit solchen Beleidigungen um sich zu werfen.«
Prekär? Sie bezwang den Drang, einen Blick nach unten zu werfen, um festzustellen, ob irgendwelche Scherben sichtbar waren.
»Ich weiß nicht, was Sie meinen.«
Elegant kniete sich Dante mit einer fließenden Bewegung vor sie und hob diese beunruhigenden Finger, um leicht über ihre Wange zu streichen. Seine Berührung war kühl, fast kalt, aber sie sandte eine erschreckende Hitzewelle durch ihren Körper.
»Oh, ich glaube, doch. Ich glaube mich an eine recht kostbare Mingvase zu erinnern, die auf diesem Tisch zu stehen pflegte. Sagen Sie mir, Liebste, haben Sie sie verpfändet oder zerbrochen?«
Verdammt. Er wusste es. Verzweifelt versuchte sie sich irgendeine glaubhafte Lüge auszudenken, mit der sie die fehlende Vase erklären konnte. Oder irgendeine Lüge, ob nun glaubhaft oder nicht. Leider war sie im Hinblick auf Ausflüchte nie besonders talentiert gewesen. Und es war auch nicht gerade eine Hilfe, dass seine fortdauernde Berührung ihr Gehirn in Brei verwandelte.
»Nennen Sie mich nicht so«, murmelte sie schließlich lahm.
»Wie denn?« Er hob die Augenbrauen.
»Liebste.«
»Warum nicht?«
»Aus dem offensichtlichen Grund, dass ich nicht Ihre Liebste bin.«
»Noch nicht.«
»Niemals.«
Dante schnalzte mit der...