Perry Rhodan 146: Psionisches Roulette (Silberband) - 4. Band des Zyklus 'Chronofossilien'

von: Perry Rhodan-Autorenteam

Perry Rhodan digital, 2019

ISBN: 9783845331454 , 400 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 9,99 EUR

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Perry Rhodan 146: Psionisches Roulette (Silberband) - 4. Band des Zyklus 'Chronofossilien'


 

2.


 

Der erste Blick genügte. Die Transmitterstation, in der Atlan, Jen Salik und Lethos-Terakdschan materialisiert waren, machte einen düsteren, Unheil verkündenden Eindruck. Grau war die vorherrschende Farbe, wenn die drei Ritter der Tiefe diese triste Schattierung überhaupt als Farbe bezeichnen wollten. Der Boden vibrierte leicht; irgendwo in der Nähe arbeiteten mächtige Maschinen.

»Wo sind wir jetzt?«, fragte Salik.

Atlan zog die Stirn in Falten. »Mein Extrasinn behauptet, dass möglicherweise unser Transmittersprung manipuliert wurde.«

»Dann wird derjenige nicht lange auf sich warten lassen, der das veranlasst hat.« Salik sah sich angespannt um.

Die Station schien verlassen zu sein. Alles wirkte ungewohnt trist und grau. Sogar die TIRUNS der drei hatten einen schmutzig wirkenden Grauton angenommen.

Während sie den Transmitterbereich verließen und tiefer in die Station eindrangen, rekapitulierte der Arkonide die Fähigkeiten der Schutzanzüge. TIRUN, den Begriff hatte Lethos-Terakdschan genannt, bedeutet nichts anderes als Tiefen-SERUN. Die eng anliegenden Anzüge aus weichem, porös wirkendem Stoff passten sich wie ein Chamäleon ihrer Umgebung an. Das aktuelle Grau täuschte möglichen Beobachtern Grauleben vor. Wie galaktische SERUNS regelten auch diese Anzüge den Körperhaushalt ihrer Träger. Sie wandelten alle Ausscheidungen in einem nahezu vollendeten Recyclingsystem um und versorgten die Träger mit sämtlichen notwendigen Aufbaustoffen und Spurenelementen. Eine Nahrungsaufnahme im herkömmlichen Sinn war nicht mehr notwendig. Die technischen Einrichtungen wurden über Gedankenbefehle geschaltet, das galt nicht zuletzt auch für den starken Individualschutzschirm und das umfangreiche Waffenarsenal.

»Achtung!«, rief Jen Salik.

Aus dem Augenwinkel nahm Atlan wahr, dass Lethos-Terakdschan unsichtbar wurde – ein Leichtes, da es sich bei der hochgewachsenen Gestalt ohnehin nur um eine Materieprojektion handelte.

Der Grund für Lethos' Verschwinden? Ein klobiger Roboter ratterte auf Laufketten heran. Das kastenförmige Gebilde wirkte schrottreif.

Atlan handelte instinktiv, er stieß Salik zur Seite und warf sich selbst in die andere Richtung. Der Strahlschuss des Roboters blitzte zwischen ihnen hindurch und hinterließ an der mattgrauen Wand einen hellrot brodelnden Fleck. Der Arkonide hatte schon seinen Schutzschirm aufgebaut und aus der rechten Handgelenkspasse eine Waffe ausgefahren.

Atlans erster Schuss traf den Waffenarm des klapprigen Roboters, der zweite den kantigen Leib. Die nachfolgende Explosion zerstörte den Roboter.

»Was sollte das?«, fragte Salik.

»Unser Empfangskommando«, antwortete Atlan. »Sehr freundlich, stelle ich fest.«

»Du meinst, die Attacke war eine Farce?«

»Jemand will mehr über uns in Erfahrung bringen – oder uns in Sicherheit wiegen.«

»Versucht, die Station zu verlassen«, schlug Lethos-Terakdschan vor.

Jeder TIRUN war in der Lage, die Gefühlsschwingungen anderer TIRUN-Träger aufzufangen. Auf ähnliche Weise war es möglich, dass Atlan und Jen Salik die telepathischen Botschaften Lethos-Terakdschans verstehen konnten.

Sie stießen auf weitere Roboter, wenn auch nur auf eine lächerliche Ansammlung kaum funktionsfähiger Maschinen. Aber diese Roboter eröffneten sofort das Feuer.

Die beiden Ritter der Tiefe reagierten mit absoluter Präzision. Die Schüsse der Angreifer wurden von den Schutzschirmen der TIRUNS absorbiert. Die Roboter hielten jedoch der Gegenwehr nicht stand, sie stürzten entweder erstarrt zu Boden oder explodierten. Atlan und Salik nutzten die Gelegenheit, sich zurückzuziehen.

Nicht weit von ihnen entfernt öffnete sich wie von Geisterhand bewegt ein Türschott. Offenbar hatte Lethos-Terakdschan einen geeigneten Weg gefunden.

»Ihm nach!«, rief Atlan.

 

Bereits eine Viertelstunde später war klar, dass die Transmitterstation deutlich größer sein musste als zunächst angenommen. Sie erstreckte sich zudem über mindestens ein Dutzend Etagen.

Mit der Waffe in der Hand deutete Atlan auf eine leicht konkav gewölbte Wand. »Sieht aus, als hätten wir die Peripherie erreicht«, meinte er.

»Das hilft uns enorm.« Jen Saliks sarkastisches Lächeln verriet zugleich, dass sein Spott nicht boshaft gemeint war.

Sie liefen weiter und stießen auf den nächsten schrottreifen Roboter. Er schoss sofort. Atlan erwiderte das Feuer. Obwohl der Roboter einen schwachen Schutzschirm aufbaute, hielt er der auftreffenden Energie nicht stand. Ein Feuerball flammte auf, begleitet von einer schwachen Druckwelle, die Fragmente des auseinanderbrechenden Roboters meterweit verstreute.

In der nahen Wand entstand eine Öffnung. Auf der anderen Seite schien sich nur ein neuer Abschnitt der Station zu erstrecken: Grau in allen Schattierungen.

Erst aus unmittelbarer Nähe erkannten die beiden Männer, dass sie an der Außenwand der Station standen. Vor ihnen erstreckte sich eine kontrastarme Landschaft wie ein sturmumtostes Hochmoor.

»Knapp hundert Meter«, schätzte Atlan, als er an der stumpfgrauen Metallwand hinab in die Tiefe sah. Ein Blick nach oben enthüllte, dass die Station um die zweihundertfünfzig Meter hoch sein mochte.

»Worauf warten wir?«, fragte Salik.

Atlan antwortete mit einem knappen Lachen.

Sie verließen die Station und schwebten über ein unheimlich anmutendes Land hinweg. Hinter ihnen wurde die Konstruktion der Transmitterstation deutlicher.

Der untere Bereich, in dem Atlan, Salik und der Hathor Lethos-Terakdschan materialisiert waren, erschien wie eine tortenförmige Plattform, einen viertel Kilometer hoch und knapp zweitausend Meter durchmessend. Darauf erhob sich ein kegelförmiger Turm. Am Fuß eineinhalb Kilometer dick, verjüngte er sich bis auf rund zweihundert Meter. In einer Höhe von knapp eineinhalb Kilometern wölbte sich der Turm zu einem schüsselförmigen Aufsatz, dessen Grenze nahe der Tiefenkonstante lag. Atlan erkannte an der Schüssel facettenähnliche Gebilde, deren Sinn und Zweck ihm unklar blieben.

Trostlos, freudlos, leblos – das war der spontane Eindruck, den die beiden Männer von der Station und ihrer Umgebung hatten.

»Vorsicht«, sagte eine ruhige Stimme. Neben Salik und Atlan wurde Lethos-Terakdschan wieder sichtbar. »Spürt ihr es?«

Jen Salik nickte zögernd.

»Es ist nicht die Landschaft allein«, bemerkte der Hathor. »Hier ist eine Kraft wirksam, die unmittelbar auf die Psyche wirkt.«

»Der Tiefeneinfluss«, murmelte Atlan. Er spürte es einigermaßen deutlich. Da war eine Ausstrahlung, die seine Empfindungen unaufhaltsam zu verschieben schien: weg von allem Lebendigen, Vitalen, hin zum Grau.

»Die TIRUNS halten den Einfluss weitgehend ab«, erklärte Lethos. »Außerdem seid ihr als Ritter der Tiefe ohnehin sicher vor dem Tiefeneinfluss. Es sei denn, diese Kraft wirkt konzentriert und zielgerichtet, dann werdet auch ihr Schwierigkeiten bekommen.«

»Langsam verstehe ich in ganzer Tragweite, welchem Schicksal Starsen entgangen ist«, sagte Jen Salik.

Während sie redeten, hatten sie sich weiter von der Transmitterstation entfernt. Der Boden war von düsteren grauen Pflanzen bewachsen.

»Warum, um alles in der Welt, wollten die Grauen Lords Starsen in diesen grässlichen Zustand versetzen?«, fragte Salik. Im nächsten Moment schien er keine Antwort mehr zu erwarten. Angespannt blickte er den Wesen entgegen, die zögernd näher kam.

Die Fremden, vermutlich Bewohner des Landes, waren aufgerichtet über zwei Meter groß und wirkten kräftig. Sie liefen auf zwei Beinen und hatten zwei Armpaare mit augenscheinlich gut ausgebildeten Greifwerkzeugen. Unten am Körper baumelte zudem ein viertes, verkümmert erscheinendes Gliedmaßenpaar. Die Hände dieser Wesen ließen jeweils zwei Finger und einen Daumen erkennen, an den Füßen wuchsen zwei Zehen, zudem eine kräftige Fersenkralle.

In respektvollem Abstand blieben die Bewohner des Graulands stehen. Sie lehnten sich ein wenig zurück und stützten sich dabei mit den verkümmerten Gliedmaßen ab. Ihre Gesichter erinnerten an Boxerhunde oder Bulldoggen – vor allem die Nasen und die dunklen Schlappohren, aber auch der mürrische Gesichtsausdruck passten dazu. Über den Augen saßen borstig aufgewölbte Brauen, ansonsten waren die Gesichter haarlos.

»Wir sind Abaker, und wir leben hier«, sagte einer. »Wer oder was seid ihr? Grauleben?«

»Das kann man unschwer erkennen«, gab Atlan zurück. Er wies auf seinen Anzug.

Sichtlich beeindruckt musterten die Abaker die grauen Monturen. »Dann ist es gut.« Der Anführer kratzte sich hinter dem linken Ohr. »Wir dachten schon, ihr wolltet Ärger machen.«

»Keineswegs«, beteuerte Salik.

Die Gesichter der Abaker spiegelten die Gefühle, die der Tiefeneinfluss ihnen aufzwang: Verdruss, Reizbarkeit und Schwermut. In den dunklen Augen war bei genauem Hinsehen allerdings tief versteckter Schmerz zu erkennen.

»Wenn ihr Grauleben seid, gehört ihr zu uns«, meinte der Abaker. »Wir sind ebenfalls Grauleben. Seit einem Jahr. Früher waren wir anders ...«

Vorübergehend änderte sich der Gesichtsausdruck des Sprechers, gleichzeitig spürte Atlan Wut in sich aufsteigen. Wut über den gewaltsamen Eingriff in die Gemüter der Abaker, deren ursprüngliches Wesen ganz anders gewesen war.

»Früher kannten wir den Sinn des Lebens noch nicht. Erst jetzt hat alles seine richtige Ordnung.«

Was Atlan für Sekundenbruchteile über den TIRUN gespürt hatte, war der Eindruck eines gut gelaunten Lebenskünstlers gewesen, der Besseres zu tun hatte, als sich das Leben mit Arbeit und...