Gezeiten der Begierde - Roman

von: Nicole Jordan

Heyne, 2011

ISBN: 9783641054984 , 416 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 7,99 EUR

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Mehr zum Inhalt

Gezeiten der Begierde - Roman


 

Zwölftes Kapitel (S. 171-172)

Ich beschloss, mein Schicksal in die Hand zu nehmen, Maman.

Ihren jüngsten Brief an Gerard brachte Madeline selbst nach Chiswick. Nach dem, was mit ihrer ersten Korrespondenz geschah, wollte sie nicht riskieren, dass Raynes Bedienstete ihm berichteten, sie hätte erneut ihrem Bruder geschrieben. Als sie nach Riverwood zurückkehrte, wartete eine Nachricht von Arabella auf sie, die vorschlug, dass sie am nächsten Tag gemeinsam nach London fuhren und dort ihre Schneiderin sowie einige andere Geschäfte besuchten. Im Sekretär im Salon war kein Briefpapier mehr, weil Madeline die letzten Bögen benutzt hatte, um Arabella und Gerard zu schreiben.

Da sie Bramsley nicht bemühen wollte, beschloss Madeline, selbst welches zu suchen, womit sie am naheliegendsten Ort begann: in Raynes Studierzimmer. Die meisten Schubladen seines Schreibtisches waren verschlossen, wie sie feststellte, aber die untere linke nicht. Dort drinnen fand sie einen schmalen Stapel Papiere, auf denen Namen in einer weit ausschwingenden Schrift aufgelistet waren. Sie vermutete, dass Rayne sie verfasst hatte.

Madeline wollte sie schon zurücklegen, als ihr ein unterstrichener Name ins Auge fiel: Roslyn Loring. Neugierig überflog sie die ganze Liste. Es handelte sich um insgesamt drei Dutzend Frauennamen, und Rayne hatte neben jedem Anmerkungen gemacht. Anscheinend waren es die Kandidatinnen, die er für eine Ehe in Erwägung gezogen hatte. Nun sah Madeline genauer hin. Rayne hatte drei Spalten neben den Namen eingezeichnet. Die erste war mit »Merkm.« überschrieben, und darunter waren äußere Merkmale aufgeführt, einschließlich der Haarfarbe – vielleicht damit er die Damen nicht verwechselte. In den beiden anderen Spalten waren Beschreibungen der Intelligenz, der Persönlichkeit und des Charakters vermerkt. Unter »Intell.« hatte er jeder Dame Noten von 0 bis 9 gegeben, doch unter »Pers./Char.« standen Stichworte: Lebhaft. Scheu. Charmant. Redet zu viel.

Langweilig. Todlangweilig. Mindestens die Hälfte der Kandidatinnen wurden als »langweilig« oder mit Variationen von »öde« bewertet, aber es gab auch noch weniger schmeichelhafte Urteile wie etwa einfältig, unterwürfig, eitel und gierig. Ein Anflug von Eifersucht regte sich in ihr, als sie sah, dass Roslyn Loring eine 9 in Intelligenz und »faszinierend« in punkto Persönlichkeit bekommen hatte – eindeutig die höchste Bewertung auf der ganzen Liste. Und doch fiel Madeline auf, dass das Attribut »schön« nirgends stand. Wenn dies Raynes Übersicht über die Vorzüge und Nachteile seiner bisherigen Brautkandidatinnen war, durfte sie vielleicht Mut schöpfen, denn ihm schienen Geist und Esprit wichtiger als Schönheit. »Kann ich Ihnen helfen, Mylady?« Erschrocken blickte Madeline zu Bramsley auf, der in der Tür stand und sie stirnrunzelnd ansah.