Happy End in Hollywood?

Happy End in Hollywood?

von: EMILY MCKAY

CORA Verlag, 2010

ISBN: 9783862950546 , 144 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 2,49 EUR

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Happy End in Hollywood?


 

1. KAPITEL

Lillian Hudson wollte die Liebesbeziehung zwischen sich und ihrem verstorbenen Mann vom familieneigenen Studio verfilmen lassen – die inzwischen fast legendäre Geschichte, wie sie sich im Zweiten Weltkrieg unter abenteuerlichen Umständen kennengelernt und später das Filmstudio aufgebaut hatten. Der Arbeitstitel für das Projekt lautete „Ehre“.

Jack hörte die Neuigkeit auf der alljährlichen Valentinsfeier der Familie im Herrenhaus der Hudsons, wo Lillian sie offiziell verkündete. Das gibt Ärger, dachte er. Eine Woche zuvor hatte er seine Großmutter kurz besucht, und sie hatte sich gerade den Film „Tödliche Flut“ angesehen, für den Cece das Drehbuch verfasst hatte. Jetzt wusste er, warum. Sicher wollte sie, dass er Cece als Autorin für „Ehre“ verpflichtete. Aber das würde schwierig werden. Schließlich sprach Cece nicht einmal mit ihm.

Kaum hatte er die Nachricht vernommen, kippte er den sündteuren Champagner aus seinem Glas in einem Zug herunter. Aber das reichte nicht, er brauchte etwas Stärkeres. Mühsam bahnte er sich einen Weg durch die Schar der Gäste; er wollte zur Bar und einen Tequila trinken, bevor Lillian mit ihrem Anliegen auf ihn zukam. Doch er war zu langsam. Plötzlich hörte er von hinten die Stimme seiner Großmutter.

„Meine Ankündigung scheint dich nicht gerade begeistert zu haben.“

Er drehte sich um. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters besaß seine Großmutter immer noch diese unnachahmliche Eleganz, die sie zu einer Legende der Leinwand gemacht hatte. Ihre kristallblauen Augen funkelten schelmisch. Sie schien genau zu wissen, warum er ihr aus dem Weg gehen wollte.

„Im Gegenteil, Grandma, das ist eine grandiose Idee.“ Verlegen gab er ihr einen Kuss auf die Wange. „Deine Liebesgeschichte bietet Stoff für einen tollen Film.“

„Genau das hat Charles auch immer gedacht. Das Projekt wurde schon jahrelang immer mal wieder angedacht. Aber als Charles dann starb, hatte ich lange Zeit nicht den Mut, es auch umzusetzen.“

Einen Augenblick lang klang die Stimme seiner sonst so lebhaften Großmutter traurig und schwach. Fast hätte er es nicht gewagt, seine Bedenken zu äußern. „Ich freue mich, dass wir das Projekt jetzt in Angriff nehmen wollen. Aber du hast gesagt, dass der Film schon zum sechzigjährigen Jubiläum des Studios herauskommen soll. Warum sollen wir uns diesem Termindruck aussetzen? Gut Ding will Weile haben. Der Film soll schließlich brillant werden.“

Lillians Niedergeschlagenheit legte sich schlagartig, und ihr bekanntes Temperament gewann wieder die Oberhand. „Wann sollten wir den Film denn dann rausbringen, Jack? Zum fünfundsiebzigsten Jahrestag? Oder zum hundertsten? Nein, nein, ich habe mich entschieden. Wenn wir das Projekt nicht jetzt verwirklichen, wird vielleicht nie was draus.“

Gegen die alte Dame kam er einfach nicht an. Resigniert zuckte er mit den Schultern. „Dann soll ich mich sicher um einen geeigneten Drehbuchautoren kümmern.“

Sie lächelte. Trotz ihrer neunundachtzig Jahre strahlte sie immer noch einen unwiderstehlichen Charme aus. „Wie gut du mich kennst, mein Junge.“

„Na schön“, sagte er und räusperte sich. „Gleich Montag früh rufe ich Robert Rodat an.“ Er gab dem Barkeeper ein Zeichen. Der Mann schien ihn noch von früheren Partys zu kennen, denn ohne Nachfrage brachte er ihm sofort einen Tequila. „Rodat hat für Spielberg das Drehbuch zu ‚Der Soldat James Ryan‘ geschrieben.“

Lillian winkte ab. „Nein, nein. Ein guter Mann, sicherlich, aber ich möchte niemanden, der schon so einen Kriegsfilm geschrieben hat. Die Liebesgeschichte zwischen deinem Großvater und mir ist etwas ganz Besonderes. Wir brauchen jemanden, der dem Projekt eine ganz besondere Note verleiht. Jemanden mit einer ganz eigenen Handschrift.“

Ihre Augen funkelten listig. Das kannte er noch aus seiner Kindheit. Nach dem Tod seiner Mutter hatten Lillian und Charles ihn großgezogen. Daher durchschaute sie ihn immer sofort.

„Du brauchst dich gar nicht erst auf Autorensuche zu machen. Ich weiß schon, wer das Drehbuch schreiben soll.“

Genau das hatte er befürchtet.

„Erinnerst du dich an mein Patenkind Cheryl Cassidy?“

Wie hätte er Cece vergessen können? Cece mit ihrem messerscharfen Verstand und ihrem beißenden Witz? Mit ihren vollen sinnlichen Lippen und den warmen braunen Augen? Mit ihrem dunkelbraunen Haar?

„Natürlich erinnere ich mich an sie.“

Und er würde sie auch nie vergessen können. Als Lillians Patenkind war sie während seiner Kindheit oft im Herrenhaus der Hudsons zu Besuch gewesen. Als sie sich dann vor drei Jahren wiedergetroffen hatten, hatte er bemerkt, dass sich das lästige Kind, das ihm früher ständig nachgelaufen war, zu einer unwiderstehlichen, betörenden Frau entwickelt hatte.

Nein, ihre kurze, aber leidenschaftliche Affäre würde er niemals vergessen. Und auch nicht ihren unrühmlichen Ausgang.

„Leider“, fuhr Lillian fort, „haben wir Cece in letzter Zeit viel zu selten zu Gesicht bekommen.“

„Da hast du recht.“ Kein Wunder, denn seit er ihr das Herz gebrochen hatte, hielt sie sich vom gesamten Hudson-Clan fern. Nicht einmal die Partys der Familie besuchte sie mehr. Deshalb kam ihm auch diese Party so langweilig vor.

„Sie ist einfach ideal dafür. Sie kennt die Familie und wird dem Projekt gerecht werden. Talent hat sie sowieso, wie ich höre. Ihre bisherigen Projekte sind alle gut gelaufen.“

Oh ja, die kleine Cece hatte ihr Talent nicht nur im Bett, sondern auch in der Filmindustrie unter Beweis gestellt. Mit ihren flotten und geistreichen Drehbüchern traf sie genau den Nerv des Kinopublikums.

„Die Filme, für die sie die Drehbücher geliefert hat, haben zusammengerechnet zweihundert Millionen Dollar eingespielt“, kommentierte er trocken.

„Warum arbeitet sie dann nicht für Hudson Pictures?“, fragte Lillian vorwurfsvoll. „Warum verhilft sie uns nicht zu solchen Gewinnen? Dieses Projekt bietet uns die ideale Gelegenheit, sie wieder zu uns zurückzuholen.“

„Also ich weiß nicht recht, ob dieses Projekt für sie das Richtige wäre.“

„Unsinn. Als Kind hat sie sich immer gern Charles’ Kriegsgeschichten angehört. Sie gehört doch praktisch zur Familie.“

„Grandma …“

Weiter kam er nicht. „Ich lasse mir da nicht reinreden, Jonathan.“

Er lächelte gequält. „Wenn du mich schon mit meinem vollen Vornamen anredest, muss es dir wirklich ernst sein.“

„Allerdings, mein Junge. Gleich morgen früh suchst du Cece auf. Wenn es jemanden gibt, der sie von diesem Projekt überzeugen kann, bist du es. Ich zähle auf dich.“

Als sie sich von ihm abwandte und davonstolzierte, verbeugte er sich instinktiv ein wenig. Er konnte sich nicht helfen, seine Großmutter hatte etwas Königliches an sich.

Und sie hatte ihren Erlass verkündet. Seine Aufgabe bestand nun darin, Cece zu Hudson Pictures zurückzuholen. Was Lillian nicht wusste, war, dass er es gewesen war, der sie vertrieben hatte.

Cece Cassidy blickte angestrengt auf den Computerbildschirm und hielt einen Fluch zurück. Ihr Sohn Theo saß auf dem Teppich ihres Arbeitszimmers, blätterte in einem Bilderbuch und brabbelte vor sich hin. Obwohl er noch nicht einmal zwei Jahre alt war, besaß er schon einen bemerkenswert großen Wortschatz. Wenn sie laut fluchte, merkte er sich das Schimpfwort sofort und wiederholte es ständig.

„Mist“, murmelte sie vor sich hin.

„Mist“, krähte er vergnügt. „Mist, Mist, Mist.“

Sie musste lachen, obwohl sie mit dem Schluss ihres neuen Drehbuchs total unzufrieden war. Nachdenklich nahm sie eine Pfefferminzpastille aus einer Dose auf ihrem Schreibtisch und sinnierte. Der Bösewicht war besiegt, die Bombe entschärft, der Held hatte die Welt gerettet. „Irgendwas fehlt noch, aber was?“

Theo sah von seinem Bilderbuch auf. „Teddybär.“

„Nein, das ist es nicht.“

Angespannt wartete sie auf eine Eingebung, aber sie kam nicht. Da klingelte es an der Tür. Cece sprang auf.

Natürlich hätte sie das Kindermädchen an die Tür schicken können, aber sie war froh über die Ablenkung. Im Flur stieß sie fast mit Maria zusammen. „Ich gehe schon, Maria. Pass du bitte solange auf Theo auf.“

Maria freute sich darüber. Sie war zwar den ganzen Tag da, hatte aber wenig zu tun, weil Cece zu Hause arbeitete und Theo meist bei sich im Arbeitszimmer hatte.

Cece öffnete die Tür. Jeder Besuch wäre ihr recht gewesen, schließlich erlöste er sie von der Qual, über Verbesserungen am Drehbuch nachzudenken. Aber dann sah sie, dass es Jack Hudson war.

Ganz locker und entspannt stand er da. Als wäre es ganz normal, dass er sie in ihrem Häuschen in Santa Barbara aufsuchte. Als ob er ihr nicht vor knapp drei Jahren das Herz gebrochen hätte.

Ihr wurde schwindelig. Bis auf ein Jahr, das sie in Frankreich gelebt hatte, hatte sie ihr ganzes Leben in Kalifornien zugebracht und daher schon so manches kleinere Erdbeben miterlebt. Aber keines davon hatte sie so erschüttert wie der Anblick von Jack auf ihrer Türschwelle.

„Darf ich reinkommen?“

Panik stieg in ihr auf, aber sie riss sich zusammen. Wenn er die...