Lehrbuch Sozialpsychologie

von: Werner Herkner

Hogrefe AG, 1991

ISBN: 9783456935713 , 561 Seiten

5. Auflage

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 43,99 EUR

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Lehrbuch Sozialpsychologie


 

4.4 Konsistenztheorien und Einstellungssysteme

4.41 Allgemeines

Wie bereits einleitend zum Thema Einstellungen betont wurde, sind die einzelnen Einstellungsobjekte (oder allgemeiner: Bewußtseinsinhalte) eines Individuums nicht voneinander isoliert, sondern auf vielfältige Weise (subjektiv) miteinander verbunden. Eine solche Menge miteinander vollständig oder teilweise verbundener Inhalte (kognitiver Elemente) nennt man ein kognitives System; man spricht auch von kognitiven Strukturen oder Einstellungssystemen.
Seit etwa 1950 beschäftigten sich mehrere Autoren damit, Möglichkeiten für die systematische und möglichst präzise Beschreibung kognitiver Systeme zu finden, verschiedene Arten kognitiver Systeme zu identifizieren und zu unterscheiden und Aussagen über ihre Eigenschaften zu machen.

Der zentrale Gedanke der meisten diesbezüglichen Bemühungen ist ein homöostatisches Prinzip. Es werden alle möglichen kognitiven Strukturen in zwei Klassen eingeteilt: in konsistente und inkonsistente. Unter konsistenten Systemen versteht man solche, die (in einem weiter unten näher zu explizierenden Sinn) "harmonisch" sind, deren Teile gut zueinander passen. Solche Systeme sind spannungsfrei und werden daher als angenehm empfunden. Sie sind deshalb auch stabil und relativ schwer zu änden.
Die inkonsistenten Systeme sind "disharmonisch ", widerspruchsvoll und erzeugen Spannungen. Sie sind instabil und tendieren zu spontanen (partiellen) Veränderungen. Mit spontanen Veränderungen ist gemeint, daß diese Veränderungen nicht unbedingt einen Anstoß von außen (etwa durch Aufnahme neuer Information) brauchen, sondern "von innen", durch die Spannungen innerhalb der kognitiven Struktur verursacht werden. Das homöostatische Prinzip bedeutet in diesem Zusammenhang, daß die Veränderungen immer von solcher Art sind, daß dadurch die inkonsistente Struktur in eine konsistente übergeführt wird (oder mindestens weniger inkonsistent wird).
Die meisten Einstellungsänderungen durch Kommunikation beruhen darauf, daß zunächst durch den Inhalt der Mitteilung Inkonsistenzen erzeugt werden. Das ist der Fall, wenn etwa über ein bislang sehr positiv bewertetes Einstellungsobjekt negative Meinungen vorgebracht werden.
Dadurch entstehen kognitive Spannungen, die dann (neben anderen Möglichkeiten) reduziert werden können, indem das Einstellungsobjekt abgewertet wird. Auf die Details solcher Prozesse und auf die vielfältigen Möglichkeiten der Inkonsistenzreduktion wird in den folgenden Abschnitten genau eingegangen.

Eines dieser Konsistenzmodelle wurde bereits mehrfach verwendet, nämlich FESTINGERS (1957) Dissonanztheorie. Die Dissonanztheorie ist jedoch keineswegs die einzige Theorie dieser Art. Sie entstand sogar später als die meisten anderen Konsistenztheorien. Die historische Priorität auf diesem Gebiet gebührt zweifellos HEIDER, der bereits 1946 ein klar formuliertes Konsistenzmodell veröffentlichte.
HEIDER spricht übrigens nicht von konsistenten und inkonsistenten Strukturen, sondern von balancierten und unbalancierten. OSGOOD und TANNENBAUM (1953) verwenden die Termini kongruent und inkongruent. FESTINGER unterscheidet, wie bereits bekannt, zwischen konsonanten und dissonanten Relationen. ROSENBERG und ABELSON (1960) sprechen von konsistenten und inkonsistenten Strukturen. Diese verschiedenartige und zunächst sicher kompliziert erscheinende Terminologie ist jedoch wohlbegründet, denn die genannten Autoren stimmen zwar hinsichtlich ihrer Hauptgedanken überein, verwenden jedoch zwar ähnliche, aber nicht identische Definitionen für stabile bzw. instabile Systeme.