Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882-1962). Band 1: Kaiserreich

Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882-1962). Band 1: Kaiserreich

von: Frank Becker

UVRR Universitätsverlag Rhein-Ruhr, 2009

ISBN: 9783940251459 , 323 Seiten

Format: PDF

Kopierschutz: DRM

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Preis: 15,00 EUR

Mehr zum Inhalt

Den Sport gestalten. Carl Diems Leben (1882-1962). Band 1: Kaiserreich


 

1. Kindheit, Schule und Entdeckung des Sports (Seite 11)

Jede Biografie muss mit der Schilderung der Kindheit ihres Protagonisten beginnen. Die Forderungen der Chronologie sind hier unerbittlich. Dem Autor macht es seine Aufgabe nicht leichter – sind doch gerade die ersten Lebensjahre eines Menschen in der Regel nur über wenige Quellen greifbar. Anders ist es allenfalls dann, wenn ein Mensch in eine bereits bedeutende Familie hineingeboren wird: In diesem Fall erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinderjahre des Nachwuchses genau beobachtet und auch dokumentiert worden sind. Ist der Protagonist hingegen das erste Familienmitglied, das in besonderer Weise hervorgetreten ist, liegt seine Kindheit zumeist weitgehend im Dunkeln.

Das gilt auch für Carl Diem. Ferdinand und Katharina Diem, als deren erstes Kind der spätere ‚Vater des deutschen Sports‘ am 24. Juni 1882 in Würzburg geboren wurde, gehörten zu jenem – nicht sonderlich wohlhabenden, nicht sonderlich gebildeten – Bevölkerungsteil, von dessen Nachwuchs aus den Kinderjahren im Regelfall nur Schulzeugnisse erhalten sind. Wobei man über die Schichtenzuordnung der Eltern gewiss streiten kann, manche würden eher vom Kleinbürgertum, andere von einem stadtbürgerlich-bäuerlichen Milieu sprechen. Ferdinand Diem stammte väterlicherseits aus einer Konditorenfamilie, schon sein Großvater hatte diesen Beruf ausgeübt, sein Vater setzte die Tradition fort. Der Vater, Carl Diems Großvater also, ragte aber mit einigen Eigenschaften aus der kleinbürgerlichen Welt heraus: Nicht nur, dass er über einen stattlichen Besitz verfügte: er besaß ein in der Nähe der Marienburg gelegenes Landhaus mit Garten und Teich, und er war imstande, der Stadt Würzburg einen auf der anderen Mainseite gelegenen Park zu schenken, nein, er hatte auch künstlerische Interessen. Die Konditorei in der Würzburger Blasiusgasse diente ihm in höheren Jahren als Atelier für seine Ölmalerei. Sein Enkel hielt sich Einiges darauf zugute, vom Großvater das Talent zum Zeichnen geerbt zu haben. Man könnte sogar vermuten, dass Carls allgemeine Kreativität, die sich später in so vielen von ihm angestoßenen Neuerungen in der Welt des Sports niederschlagen sollte, vom Vorbild des Großvaters angeregt war.