Unter feindlicher Flagge

von: Sean Thomas Russell

Bastei Lübbe AG, 2011

ISBN: 9783838704593 , 528 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 7,99 EUR

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Unter feindlicher Flagge


 

"KAPITEL SIEBZEHN (S. 220-221)

Die Kanone donnerte und schnellte zurück. Kreischend glitt der hölzerne Lafettenschlitten über den eisernen Rahmen und kam mit einem Stottern zum Stehen. Hayden legte eine Hand auf den Rahmen und fand ihn überraschend warm. »Ich habe immer noch Angst vor Funkenflug«, sagte der Stückmeister unglücklich.

Es war offensichtlich, was er von der neuen Waffe hielt. »Nicht ein Funke!«, erwiderte Muhlhauser fröhlich. Er war so erfreut, dass endlich seine Waffe abgefeuert wurde, dass er die Reaktion der Mannschaft nicht wahrnahm. Einige wachhabende Offiziere hatten sich bei dem Geschütz eingefunden, um Zeuge der Vorführung zu werden. Doch nun standen sie zusammen, schüttelten die Köpfe und sprachen leise miteinander. Einige hatten für die neue Konstruktion nur ein verächtliches Grinsen übrig. »Eisen wird diesem Rückstoß nicht lange standhalten«, merkte Barthe kritisch an.

»Es ist zu brüchig. Ja, es wird letzten Endes brechen, fürchte ich.« »Sie können damit getrost hundertmal am Tag feuern«, versicherte ihm Muhlhauser. »Wir haben unser Geschütz lange an Land getestet, ehe wir es auf ein Schiff brachten. Sie werden sehen, Mr Barthe, es wird keine Funken geben. Und der Rahmen wird auch nicht brechen. Haben Sie bemerkt, wie schnell sie nachgeladen und wieder ausgerannt werden kann? Viel schneller als ein Standard-Achtzehnpfünder.

Also, ich wäre nicht überrascht, wenn dieses Geschütz in naher Zukunft viele der langen Blomefields ablöst.« Bevor die Kanone erneut abgefeuert werden konnte, trieb der Ruf »Segel!« Hayden auf das Quarterdeck. Dort holte er im goldenen Licht der Biskaya sein Fernrohr hervor. Es war wieder ein warmer Herbsttag, als habe der lang anhaltende Sommer noch so viel Schwung, dass die Zahlen auf dem Kalender keine Aussagekraft hatten.

»Wo genau?«, wandte er sich an Archer, der nach Süd-Südwest zeigte. Mehrere Offiziere richteten ihre Gläser in die vorgegebene Richtung, und Hayden gesellte sich zu den Männern an der Reling. »Scheint eine Brigg zu sein«, mutmaßte Wickham. »Oder eine Schnau«, sagte der Master, der zu Hayden trat. Endlich sah Hayden die Konturen fleckiger Segel im leichten Wellengang. Ob es nun eine Brigg oder eine Schnau war, das Schiff war noch weit entfernt.

Und die Flagge, falls sie überhaupt flatterte, war nicht zu sehen. »Glauben Sie, es ist eines von uns, Mr Hayden?«, fragte Wickham. »Ich sehe nur ein Stück Segel, Mr Wickham. Ob das nun britisches Segeltuch ist, vermag ich nicht zu sagen.« »Sie ist so nah an der französischen Küste, vermutlich ist sie französisch«, ließ sich Hart vernehmen. »Wahrscheinlich die Spitze eines Geschwaders.« Er ließ sein Glas sinken. »Mr Barthe? Ändern Sie den Kurs auf Nordwest, falls sie Kurs auf uns nimmt.« »Aber wenn es nun einer von uns ist, Sir?«, fragte Barthe. Hart wandte sich ihm ruckartig zu und lief vor Zorn rot an."