Interpretation. Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß - Reclam Interpretation

von: Eckhard Heftrich

Reclam Verlag, 2009

ISBN: 9783159500492 , 23 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 2,49 EUR

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Interpretation. Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törleß - Reclam Interpretation


 

Obwohl von Beginn an und bis in unsere Tage immer wieder als Roman bezeichnet, darf man diesen Text mit gutem Recht, schon des geringen Umfangs wegen, auch eine Erzählung nennen. Doch ist in Anbetracht der Offenheit der einen wie der andern Gattungsbezeichnung die Zuordnung letztendlich ohne Gewicht. Das Manuskript entstand zwischen 1902 und 1905, fand die fördernde Zustimmung von Alfred Kerr und erschien, nach Ablehnung durch mehrere Verlage, 1906 im Wiener Verlag (2. Auflage 1911 bei Georg Müller, München). Musil hat später über die Entstehung dieses seines ersten Buches gesagt, er habe sich, 22 Jahre alt, aber trotz seiner Jugend schon Ingenieur, in diesem Beruf unzufrieden gefühlt und aus Langeweile zu schreiben begonnen. Der »Stoff« dazu habe »gleichsam fertig« dagelegen (7,954).1 Man wird diese Untertreibung kaum für bare Münze nehmen dürfen, doch ist in der Koketterie der Hinweis auf den experimentellen Charakter dieses Anfangs versteckt. Davon hat auch der junge Autor eine Ahnung, bietet er doch sein Manuskript als einen »Wechsel für die Zukunft« an und charakterisiert den Roman als einen »von abweichender Art, der einer neuen Weise zu schreiben zustrebt«.

Der Stoff: das waren die Leiden des jungen Musil, des Zöglings von 1894 bis 1897, im militärischen Internat zu Mährisch-Weißkirchen. Die Anstalt wird in der Erzählung eingeführt als ein »weitab von der Residenz« gelegenes »berühmtes Konvikt«, hier »erhielten die Söhne der besten Familien des Landes ihre Ausbildung, um nach Verlassen des Institutes die Hochschule zu beziehen oder in den Militär- oder Staatsdienst einzutreten, und in allen diesen Fällen sowie für den Verkehr in den Kreisen der guten Gesellschaft galt es als besondere Empfehlung, im Konvikte zu W. aufgewachsen zu sein« (8).

Das so hoch eingestufte paramilitärische Internat diente also nicht etwa der Züchtung bloßer Untertanen, sondern war eine wirkliche Eliteschule mit Karrieregarantie. Aber das Privileg dieser Erziehung ebnete die Unterschiede der Herkunft der Zöglinge keineswegs ein, sondern spiegelte die gesellschaftliche Hierarchie wider. Das Rollenspiel der abgestuften Privilegierungen von Bürgertum und Aristokratie wurde hier eingeübt, das sich dann im militärischen, bürokratischen oder diplomatischen Dienst der Monarchie fortsetzte. Derart geschlossene Systeme von komplizierter Durchlässigkeit gab es zwar auch in anderen europäischen Staaten, doch zeichnete sich der habsburgische Vielvölkerstaat auch in dieser Hinsicht durch jene originelle Subtilität aus, deren ironische Überhöhung dann im »Kakanien« von Musils Mann ohne Eigenschaften begegnet.