Interpretation. Franz Kafka: Der Proceß - Reclam Interpretation

von: Ritchie Robertson

Reclam Verlag, 2009

ISBN: 9783159500478 , 55 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 2,49 EUR

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Mehr zum Inhalt

Interpretation. Franz Kafka: Der Proceß - Reclam Interpretation


 

Mit dieser Beschreibung der Struktur der Romanhandlung nähern wir uns der Frage, wie die Instanz, die so unerwartet in K.s Leben eingetreten ist, zu interpretieren sei. Verkörpert sie eine letztlich religiöse Autorität? Sollen wir K.s »Schuld« ernst nehmen? Wenn ja, ist diese Schuld auf eine bestimmte Handlung oder Unterlassung K.s zurückzuführen, oder nach Art der Erbsünde auf eine nicht weiter erklärbare Weise in seinem Wesen verwurzelt? Oder stellt das Gericht, wie Ulf Abraham argumentiert hat, vielmehr die Macht als solche dar, die aus unerklärlicher Bosheit mit Josef K. Katz und Maus spielt und dabei die Mechanismen der Machtausübung und Schuldzuweisung veranschaulicht? Man müsste dann annehmen, dass das Gericht vorhat, Josef K. eine im Grunde imaginäre Schuld anzulasten und ihn somit zum Opfer zu machen. Nimmt man die zweifellos vorhandenen religiösen Untertöne für bare Münze, so läuft man Gefahr, moralische oder gar theologische Überzeugungen in den Roman hineinzuprojizieren. Bei einem von vornherein skeptischen Deutungsansatz aber besteht die Gefahr, dass man sich mit einem allzu oberflächlichen Verständnis des Romans begnügt.

Die ›Gretchenfrage‹ nach dem möglichen religiösen Hintersinn des Proceß-Romans gehört zu den Konstanten in dessen Rezeption. Von den Versuchen Max Brods, eine eher eindimensional theologische Deutung von Kafkas Werken zu propagieren, spannt sich der Bogen bis zu einigen der jüngsten Untersuchungen. Selbstverständlich haben solche Deutungsversuche häufig Skepsis und Widerwillen hervorgerufen, zumal Brod im Laufe der Zeit sein Verständnis Kafkas mit zunehmender Beharrlichkeit verteidigte, doch scheint die Rezeption spiralenförmig zu verlaufen, in der Weise, dass ähnliche Ansichten immer wieder, nur in subtilerer und differenzierter Form, vorgetragen werden. Im Folgenden seien einige der wichtigsten Deutungsversuche kurz referiert.

Ohne Zweifel stammen die einflussreichsten Hinweise zum Verständnis des Proceß- Romans von Max Brod. Obwohl er sich im Nachwort zur Erstausgabe einer Deutung des Romans enthält und sich auf eine Beschreibung der Textüberlieferung beschränkt, kommt er im Nachwort zum Schloß auf den früheren Roman und dessen Sinn zurück, weil er in der Zwischenzeit auf so viele haarsträubende Fehldeutungen gestoßen sei. Das unerreichbare Schloss, verkündet Brod, sei »genau das, was die Theologen ›Gnade‹ nennen. [. . .] Somit wären im Proceß und im Schloß die beiden Erscheinungsformen der Gottheit (im Sinne der Kabbala) – Gericht und Gnade – dargestellt.«

Obwohl diese Behauptung zumindest als eine grobe Vereinfachung der Sachlage zu betrachten ist, sollte sie einen nachhaltigen Einfluss auf die Kafka- Rezeption ausüben. Hinzu kommt, dass Brod in seiner 1937 zuerst erschienenen Biographie Kafkas das Schicksal Josef K.s mit dem alttestamentlichen Hiob und dessen Aufbäumen gegen die scheinbare Ungerechtigkeit Gottes in Zusammenhang bringt. Der Roman wird als Reflex von Kafkas eigener religiösen Entwicklung dargestellt. In den weiteren Büchern über Kafka, die Brod seiner Biographie folgen ließ, wird diese religiöse Interpretation verfestigt. Brod bemüht sich, Kafkas Weltanschauung von der damals einflussreichen Krisentheologie scharf abzugrenzen und ihm einen Trost verheißenden Gnadenbegriff zuzuschreiben. Dieser Deutung gegenüber dürfte Skepsis geboten sein, nicht nur, weil Brod die Radikalität von Kafkas Denken zu unterschätzen scheint, sondern vor allem deshalb, weil sich Brod für Kafkas künstlerische Leistung kaum interessiert und das Werk, vor allem die Romane Der Proceß und Das Schloß, auf seine vermeintliche religiöse Botschaft reduziert.