Interpretation. Friedrich Dürrenmatt: Der Tunnel - Reclam Interpretation

von: Winfried Freund

Reclam Verlag, 2009

ISBN: 9783159500430 , 17 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 2,49 EUR

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Mehr zum Inhalt

Interpretation. Friedrich Dürrenmatt: Der Tunnel - Reclam Interpretation


 

In der phantastischen Parabel bilden sich existenzphilosophische Grundeinsichten ab, Dürrenmatt vertraut durch sein Studium der Philosophie und Theologie und in der Erzählung selbst präsent in den »verworrenen Studien« des Vierundzwanzigjährigen. Existenzphilosophisch gesehen, gestaltet Dürrenmatts Erzählung eine Grenzsituation, in der dem Einzelnen seine eigene existentielle Lage spontan offenbar wird. Gerade die Skepsis rationaler Erkenntnis gegenüber und die Hinwendung zu existentiellem Erleben erschlossen die philosophischen Arbeiten von Heidegger, Jaspers und Sartre der literarischen Gestaltung.

Kaum ein Autor nach 1945, nach dem Zusammenbruch einer sich über den Menschen hinwegsetzenden und ihn für angeblich schicksalhaft vorgezeichnete Ziele vereinnahmenden Ideologie vermochte sich dem Gedanken einer nüchternen existentiellen Neubegründung menschlichen Daseins zu entziehen. Existenzphilosophie bedeutet Abschied von allen Lebensanschauungen und Ideologien mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit und auf unumstößliche Wahrheiten. Untauglich ist für sie der Verstand wie der spekulative Geist, wenn es um die Wahrheit des Menschen selbst geht, der weder ausgeklügelte Systeme noch hochfliegende Ideen und Phantasieentwürfe beizukommen vermögen. Existenzerhellende Erkenntnis erschließt sich nur in der konkreten Situation jenseits idealistisch abstrakter Überhöhung. Daher ist es notwendig, den Menschen die eigenen Verstellungen bewusst zu machen, seine Selbsttäuschungen zu zerbrechen.

In den Abwehrgesten der Fahrgäste im Zug spiegelt Dürrenmatt das insbesondere von Heidegger beschriebene »man«, die personifizierte Übernahme von Verhaltensklischees mit dem Ziel, die Selbstreflexion auszuschalten und damit der Wahrheit über sich selbst auszuweichen. Der Einzelne vertraut sich den Angeboten der Kultur, der Literatur, des Spiels und der Vielfalt der Genüsse an, kapselt sich ein in eine Scheinexistenz und verfehlt sich dabei zusehends selbst. Literatur, wie sie Dürrenmatt versteht und wie sie in seinem Protagonisten, dem Vierundzwanzigjährigen, Gestalt gewinnt, verfolgt vor allem die Aufgabe, Illusionen zu entlarven und den Menschen als ein der Zeit verfallenes Wesen in seiner Einsamkeit vor dem Nichts darzustellen.

Im jungen Mann konkretisiert sich unabweisbar das Bewusstsein der Endlichkeit. Aus diesem Bewusstsein erwachsen Beunruhigung und Angst. Angst, die das Dasein vereinzelt und so die Möglichkeit eröffnet, das unausweichliche »Inderweltsein«, wie Heidegger sagt, zu begreifen, das Angewiesensein auf eine begegnende Welt, aus der niemand zu fliehen vermag. In der Angst als Grundbefindlichkeit des Menschen offenbart sich ihm das Dasein als ein Sein in der Zeit. Erst im Verlust des scheinbar Sichernden zeigt sich der innerste Kern der Existenz.