Opfer der Lust - Erotischer Roman

von: Sandra Henke

venusbooks, 2015

ISBN: 9783958850309 , 456 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: DRM

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Preis: 2,99 EUR

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Opfer der Lust - Erotischer Roman


 

3. KAPITEL


Warum trieb es Bethany dann in den nächsten Tagen wegen jeder Kleinigkeit in die Wal-Mart-Filiale, in der sie Kade getroffen hatte?

Sie redete sich ein, einen Heißhunger auf Nachos zu haben. Am nächsten Tag brauchte sie unbedingt dieses neue Shampoo, das sie auf einem Werbeplakat gesehen hatte und das ihr braunes Haar wie Seide glänzen lassen sollte. Ohnehin lag der Supermarkt auf dem Weg zur Universität, deshalb war es naheliegend, dass sie dort ihre Einkäufe tätigte.

Kade traf sie nicht wieder. Zumindest nicht in der darauf folgenden Woche.

Als sie ihn eines Abends an dem Kühlschrank, in dem die hochwertigere Eiscreme gelagert wurde, sah, machte ihr Herz einen Sprung. Doch seltsamerweise dachte sie an Flucht. Sie hatte ihn wiedergesehen. War damit nicht ihr Ziel erreicht? Wie hieß es so schön? Appetit darf man sich auswärts holen, aber gegessen wird zu Hause. Anstatt zu fliehen stand sie jedoch wie angewurzelt da.

Kade schlenderte an ihr vorüber, ohne sie eines Blickes zu würdigen.

Wütend schnalzte sie und ging zu dem Kühlschrank, vor dem er kurz zuvor gestanden hatte. Wer kaufte bei der kalten Jahreszeit schon Eiscreme? Welche Sorte mochte er aus gewählt haben?

„Spionierst du mir nach?“

Bethany flog erschrocken herum. Ihr Puls beschleunigte sich. Sie fühlte sich ertappt und spürte, wie Hitze in ihre Wangen stieg.

Lässig lehnte sich Kade mit der Schulter gegen die Glasscheibe des Kühlschranks und schmunzelte. Er hielt einen Eisbecher von Ben & Jerry’s hoch und fragte: „Hast du die Sorte Karamell Sutra schon einmal probiert?“

Sie schüttelte den Kopf. Irritiert beobachtete sie, wie er Deckel und Schutzfolie entfernte und seine Fingerspitze durch das Schokoladeneis, das einen weichen Kern aus Karamell besaß, zog. Bevor sie sich wehren konnte, schmierte er die Eiscreme auf ihre Lippen.

Verdutzt öffnete sie ihren Mund ein Stück weit.

„Magst du kein Karamell?“ Er runzelte die Stirn.

Bethany bemerkte, dass die Verkäuferin hinter der Fleischtheke sie kritisch beäugte.

„Das Eis schmilzt. Du solltest es rasch kosten, bevor es von deinem Kinn tropft. Besonders köstlich sind die Fudge-Stücke darin.“

Da sie keine Anstalten machte, seinem Rat zu folgen, neigte er sich zu ihr. Einen kurzen Moment war er ihr so nah, dass ihre Nasenspitzen sich fast berührten und sie seinen warmen Atem auf ihren kalten Lippen spürte. Er schaute ihr tief in die Augen. Ein verführerischer Blick, der ihre Beine weich werden ließ.

Als Kade plötzlich das Eis von ihrem Mund leckte, erstarrte sie für einige Sekunden. Sie hielt die Luft an und bekam eine Gänsehaut. Dieser Mann war unglaublich! Aber auch gefährlich.

Ja, Kade konnte ihr gefährlich werden, das ahnte sie. Während er den Eisbecher wieder verschloss, lachte er. „Du kannst dich jetzt wieder bewegen.“

Verärgert darüber, dass sie sich von ihm einschüchtern ließ, schüttelte sie sich, als wollte sie ihren Mantel von Schnee befreien, dabei hatte es schon seit Wochen nicht mehr geschneit. Sie zog ihren bunten Schal enger um ihren Hals, mehr als Schutz als vor Kälte.

Kade lehnte sich wieder gegen den Kühlschrank. „Hast du dich nun endlich entschieden, ob du mit mir essen gehen wirst, wenn ich schon nicht für dich kochen darf?“

Nein, sie durfte nicht, nicht nach diesem Kuss. War es denn ein Kuss gewesen? Kein richtiger. Dennoch, sie durfte Kade nie wiedersehen! Das begriff sie nun. Sie hätte schon nach dem ersten Treffen den Supermarkt nicht mehr aufsuchen sollen, weil sie Kade interessant fand. Der arme Daryl! Er durfte nie etwas von ihrer gedanklichen Untreue erfahren.

„Ich kann nicht. Ich bin verlobt.“ Sie brachte den Satz kaum hervor, weil sich ihr Körper nach Kade sehnte, aber ihr Verstand war stärker.

Kade wurde ernst. „Das ist bedauerlich. Sehr schade! Hoffentlich weiß Daryl deine Treue zu schätzen, aber sie wird dir nichts nutzen.“ Er zuckte mit den Achseln und ging fort, ohne den Versuch, sie zu überreden.

Verblüfft blieb Beth zurück. Was sollte das schon wieder heißen? Und woher kannte er den Namen ihres Verlobten? Ein unwohles Gefühl breitete sich in ihrem Magen aus.

Sie war enttäuscht, dass sich Kade nicht intensiver um sie bemühte, denn er hätte eine reelle Chance gehabt, sie doch noch zu überzeugen. Aber er hatte sie immerhin zweimal gefragt und gehörte nicht zu der Sorte Mann, der eine Frau inständig bitten musste, damit sie mit ihm ausging. Vielleicht hatte ihn genau das verletzt. Er war es nicht gewohnt, einen Korb zu bekommen, und leckte bestimmt irgendwo seine Wunden.

Bethany fühlte sich fiebrig. Sie nahm einen Becher Karamell Sutra Eiscreme aus dem Kühlschrank, bezahlte an der Kasse und eilte zu ihrem Wagen. Ihr war danach, sich mit dem Eis auf die Couch zu setzen und zum hundertsten Mal „E-Mail für dich“ anzuschauen.

Als sie ihren Wagen aufschloss, fragte sie sich, warum sie ausgerechnet Kades Lieblingseis gekauft hatte. Hatte sie nicht eben noch gespöttelt, dass die Jahreszeit viel zu kalt war, um Eiscreme zu essen?

Sie legt den Ben & Jerry’s-Becher auf den Rücksitz. Als sie sich aufrichtete, schaute sie geradewegs in Kades Gesicht. Er hielt einen Laptop in der Hand. Aufgrund des hellen Bildschirms wusste sie, dass das Notebook eingeschaltet war. Wollte Kade doch einen dritten Versuch wagen und ihr die Homepage seines Stammrestaurants zeigen, um sie umzustimmen?

Schweigend warf er die Fahrertür ihres Firebirds zu. Er drängte Beth rückwärts und stellte den Laptop auf die Motorhaube.

„Ich verstehe nicht“, begann sie.

Beth erschrak, als Kade seinen Arm um ihre Hüften legte und sie herumdrehte. Er zwängte sie zwischen seinem Körper und ihrem Auto ein. Ängstlich wehrte sie sich, aber sie hatte keine Chance gegen ihn.

Er startete den Windows Mediaplayer auf seinem Rechner, schmiegte sich an Bethanys Rücken und raunte verführerisch: „Schau genau hin, Beth. Das wird dich überzeugen, doch noch auf meine Einladung einzugehen. Es tut mir leid, dass ich meine Waffen auffahre, aber es muss sein. Du wirst morgen Abend mit mir essen gehen und tun, was auch immer ich von dir verlange.“

Das Video zeigte ein Zoogeschäft in irgendeiner Shopping-Mall. Es musste von einer Überwachungskamera gefilmt worden sein, denn die Perspektive war höher angelegt, als es bei einer normalen Aufnahme der Fall gewesen wäre, stellte Bethany fest.

Eine Frau und ein Mann, beide recht jung, betraten die Tierhandlung. Der Mann lächelte durch die Schaufensterscheibe direkt in die Kamera.

Beth erschrak. Sie kannte ihn oder, besser gesagt, sie hatte ihn gekannt. Es war Aaron Catlaw, ihr Exfreund.

Plötzlich strömten die Erinnerungen auf sie ein. Wie alt war sie damals gewesen? Sechzehn oder doch schon siebzehn. Ihre Haare hatten ihr damals fast bis zum Hintern gereicht, heutzutage trug Beth sie schulterlang. Mittlerweile waren ihre Hüften runder und ihre Brüste ein wenig voller. Sie rasierte nicht nur ihre Achsel- und Beinhaare, sondern auch ihre Scham, weil sie das als hygienischer, hübscher und moderner empfand.

Als sie ihrem jüngeren Ich ins Gesicht sah, wurde Beth melancholisch, denn sie entdeckte in den Augen des Mädchens, das sie einmal gewesen war, ein Feuer, eine Neugier und eine Lebenslust, die sie durch den Ernst des Alltags verloren hatte.

Damals hatte sie Aaron geliebt und er war in sie vernarrt gewesen. Gemeinsam hatten sie viele verrückte Dinge getan, Dinge, die niemals hätten gefilmt werden dürfen, weil sie intim und hemmungslos waren.

In dem Film legte Aaron ihr gerade ein rotes Hundehalsband an. Er zog ihr Nickioberteil und ihren Büstenhalter aus und drückte ihre kleinen, festen Brüste zusammen.

Beth wusste, es würde noch schlimmer kommen. Wenn sich ihr jüngeres Ich erst nackt auf den Kartons räkelte, damals vor Aaron und heute zusätzlich vor Kade, würde sie auf der Stelle vor Scham im Boden versinken.

Bethany verwünschte Aaron, der gewusst hatte, dass ihre triebhaften Spielchen aufgezeichnet wurden, denn er hatte machohaft in die Kamera gelächelt.

Ihr war der Film furchtbar peinlich. Sie zappelte und wollte sich losreißen, aber Kades Griff um ihre Hüften war unnachgiebig wie ein Stahlring.

„Ich will das nicht sehen”, schrie sie. „Und du hast kein Recht, das anzuschauen.“

Er verschloss ihren Mund mit seiner Hand. „Scht, kein Grund, sich aufzuregen. Ich kenne das Video bereits, es ist mein Ticket in dein Leben. Fangen wir mit einem Treffen an einem öffentlichen Ort an. Keine Sorge, ich werde dich nicht sexuell nötigen, aber ich kann dir auch nicht versprechen, nicht den Versuch zu wagen, dich zu verführen, denn dafür finde ich dich zu attraktiv.“

Jetzt wusste Beth, dass der echte Kade nur eine einzige Sache mit dem liebevollen Mann aus ihrem Traum gemeinsam hatte.

Seine Lüsternheit.

Und die konnte ihr genauso gefährlich werden wie das Video.

Bethany griff sein Handgelenk und zog seine Hand von ihrem Mund weg. Seltsamerweise sehnten sich ihre Lippen nach der Wärme seiner Haut. Ihre eigenen Gefühle verwirrten sie. Sie konnte kaum klar denken.

„Was hast du vor?“, brachte Bethany atemlos hervor. Sie war fassungslos! Seine Worte schockierten sie. Doch während ihr Herz vor Furcht aufgeregt pochte, prickelte ihr Schoß, weil sie die mächtige Wölbung in seiner Hose sogar bis durch ihren Steppmantel hindurch an...