IT-Sicherheitsmanagement nach ISO 27001 und Grundschutz - Der Weg zur Zertifizierung

von: Heinrich Kersten, Jürgen Reuter, Klaus-Werner Schröder, Heinrich Kersten, Klaus-Dieter Wolfenstetter

Vieweg+Teubner (GWV), 2008

ISBN: 9783834894250 , 267 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 36,99 EUR

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IT-Sicherheitsmanagement nach ISO 27001 und Grundschutz - Der Weg zur Zertifizierung


 

4 Festlegung des Anwendungsbereichs und Überlegungen zum Management (S.97-98)

In diesem Kapitel wollen wir den Anwendungsbereich (englisch: Scope) des ISMS bestimmen und wichtige Management-Elemente einrichten.

4.1 Anwendungsbereich des ISMS zweckmäßig bestimmen

Bei der Festlegung des Anwendungsbereichs sollte man sich von den Bedürfnissen der Organisation und ihren Gegebenheiten leiten lassen. Dennoch gilt: Jede Begrenzung des Anwendungsbereichs und jeder Ausschluss sind zu benennen und detailliert zu begründen (ISO 27001, Abschnitt 4.2.1.a). Anwendungsbereich des ISMS zweckmäßig bestimmen Bei der Festlegung des Anwendungsbereichs sollte man sich von den Bedürfnissen der Organisation und ihren Gegebenheiten leiten lassen. Dennoch gilt: Jede Begrenzung des Anwendungsbereichs und jeder Ausschluss sind zu benennen und detailliert zu begründen (ISO 27001, Abschnitt 4.2.1.a).

Ein weit verbreiteter Fehler bei der Festlegung des Anwendungsbereichs besteht darin, eine möglichst schnelle Realisierung der formalen Voraussetzungen für eine Zertifizierung zu erreichen. Vor diesem Hintergrund ist es in der Praxis leider häufig zu beobachten, dass ein sehr „kleiner" Anwendungsbereich zum Gegenstand des ISMS einer Organisation gemacht wird – einzig und allein zu dem Zweck, möglichst schnell eine Bescheinigung (Zertifikat) zu erhalten. Die wesentlichen Vorteile der Managementsysteme bleiben hierbei leider auf der Strecke: die Verbesserung interner und vor allem bereichsübergreifender Abläufe.

Der gleiche wenig wirksame Effekt entsteht bei einer Modularisierung der ISMS, bei der die unterschiedlichen Bereiche der Organisation, wie z. B. Einkauf, Vertrieb, IT-Abteilung, mit einem jeweils in sich geschlossenen ISMS versehen werden.

Von der Grundtendenz her werden die Informationsrisiken der gesamten Organisation bei der Betrachtung von solchen isolierten Management-Systemen nicht deutlich, da jedes einzelne ISMS nur seine Partikularrisiken betrachtet und reduzieren will, was möglicherweise sogar zu einer Erhöhung des Gesamtrisikos für die Organisation, aber in jedem Fall zu einer ineffizienten Verwendung von Ressourcen führt.

Wenn in der Organisation bereits ein bereichsübergreifendes Managementsystem – beispielsweise auf der Basis von ISO 9001 – besteht, liegt es nahe, dieses auch auf die Anwendung von ISO 27001 zu übertragen: Eine Vielzahl von Regelungen und Verfah ren dürften gleich oder ähnlich sein, somit kann Aufwand eingespart werden.

Vor der Einführung eines zweiten, parallelen Managementsystems muss jedoch ausdrücklich gewarnt werden, da erfahrungsgemäß eine eindeutige Zuweisung von Verantwortlichkeiten und eine Harmonisierung der Verfahrensweisen nicht erreicht wird. Falls die Organisation Hersteller eines bestimmten Produktes ist und sich in einem wichtigen Absatzmarkt mit der kurzfristigen Forderung nach einem Zertifikat konfrontiert sieht, kann dies Anlass für eine Begrenzung des Anwendungsbereiches sein. In diesem Fall wird es sinnvoll sein, zumindest die gesamte Wertschöpfungskette für dieses Produkt vom Einkauf bis zum Kundendienst in den Anwendungsbereich aufzunehmen.

Mittelfristig sollte in einem solchen Fall eine Ausweitung des Anwendungsbereichs z. B. auf die gesamte Produktion von Produkten angestrebt werden – dies vor allem, weil einheitliche Umwelt-, Sicherheits- und Qualitätsmaßstäbe weniger Kontrollaufwand erfordern und von den Mitarbeitern der Organisation leichter einzuhalten sind.

Ein weiterer Aspekt, der für die Festlegung eines möglichst umfassenden ISMS spricht, ist die Tatsache, dass ein ISMS einer Vielzahl von Anforderungen aus unterschiedlichen Quellen Rechnung tragen muss: Neben den Voraussetzungen für ein Zertifikat erfüllt ein intelligent abgegrenztes und realisiertes ISMS auch andere Ziele: – gesetzliche Forderungen nach einem internen Kontrollsystem werden erfüllt, – es dient der Verbilligung von Krediten bzw. Versicherungsbeiträgen, – es lässt sich ggf. zur besseren Erschließung bestimmter Absatzmärkte einsetzen, – es dient der Transparenz der Risiken und der Verbesserung der Sicherheitslage.