An der Quelle des Löwen - Sonderband

An der Quelle des Löwen - Sonderband

von: Karl May

Karl-May-Verlag, 2007

ISBN: 9783780218100 , 474 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

Windows PC,Mac OSX Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 9,99 EUR

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An der Quelle des Löwen - Sonderband


 

Der Tod des Mübarek (S. 40-1)

Während der Jagd nach dem Schut, dem Anführer einer Verbrecherbande in den Gebirgen des Balkan, trifft Kara Ben Nemsi auch auf den alten Mübarek, einen Vertrauten des Schut, der unter verschiedenen Masken – einmal als ‚Heiliger‘ und einmal als Bettler – sein Unwesen treibt. Bei einer Konfrontation mit dem Mübarek wird dieser von Kara Ben Nemsi durch einen Schuss schwer verwundet und hält sich nun in einer Hütte in den Bergen versteckt, doch Kara Ben Nemsi findet ihn. In der Nacht schleicht ein Bär um die Hütte, es kommt zum Kampf, der Alte findet ein schreckliches Ende.

Meine Uhr zeigte jetzt genau die zehnte Stunde. Da der Türke die Stunden vom Augenblick des Sonnenuntergangs zählt, der an diesem Tag auf halb sieben fiel, so war es nach dortiger Zeitrechnung halb vier Uhr. Wir tränkten die Pferde im Bach und führten sie dann in den Schuppen. „Herr, wo sollen denn wir bleiben, ich, mein Weib und der Konaktschy?“, fragte der Wirt. „Geht zu den Pferden hinein“, antwortete ich. „Nein, nein! Du hast doch selbst gesagt, dass der Bär möglicherweise den Schuppen aufsuchen kann. Wir werden uns in die Stube begeben; aber wenn der Bär kommt, so flüchten wir uns unter das Dach und ziehen die Leiter empor. Den Mübarek mag er immer fressen.“ Was der Mann Leiter nannte, war ein Balken, in den man Kerben eingeschnitten hatte.

Er lehnte in der Stube, über der sich eine Lage von losen Stangen befand, von denen die Decke gebildet wurde. Wir löschten das Feuer aus und nun hatten die drei nichts Eiligeres zu tun, als sich in die Stube zu flüchten. Osko und Omar begaben sich in den Schuppen zu den Pferden, nachdem ich ihnen erklärt hatte, wie sie sich verhalten sollten. Dann brach ich mit Halef auf. Dieser hatte sich vorher sorgfältig überzeugt, dass ihm sein Gewehr nicht versagen werde. Ich nahm nur die Büchse mit, der Stutzen konnte mir einem solchen Bären gegenüber nichts nützen. „Jetzt sollte der Kerl schon dort sein, wenn wir kommen“, meinte Halef.

„Es ist so finster, dass wir ihn erst sehen würden, wenn wir vor ihm ständen.“ „Eben darum dürfen wir jetzt nicht in gerader Linie gehen. Die Luft streicht von hier hinüber und er müsste uns unbedingt riechen. Wir machen einen Umweg, indem wir einen Bogen schlagen, sodass wir dann so ziemlich aus der entgegengesetzten Richtung kommen.“ Das taten wir. Als wir uns nachher der betreffenden Stelle näherten, geschah das mit der größten Vorsicht, weil der Bär sich nicht nur bereits dort befinden, sondern auch gerade von derselben Seite kommen konnte, aus der wir uns heranschlichen.

Wir hielten die Gewehre schussbereit und blieben zuweilen stehen, um zu horchen. Wenn er sich bereits bei dem Pferdegerippe befand, so musste sein Schmatzen und das Krachen der Knochen zu hören sein. Aber es war kein anderer Laut zu vernehmen als das leise Rauschen des Windes in den Kronen der Bäume. Endlich waren wir so nahe, dass wir, um eine Ecke blickend, den Kadaver sehen konnten. Es war kein Bär dabei. Nun kletterten wir auf ein großes Felsenstück in der Nähe. Es hatte doppelte Mannshöhe und gewährte uns Schutz gegen einen direkten Angriff des Raubtiers.