Friedrich der Große - Ein Porträt

Friedrich der Große - Ein Porträt

von: Wilhelm Bringmann

Herbert Utz Verlag , 2006

ISBN: 9783831606306 , 835 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: DRM

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Preis: 79,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Friedrich der Große - Ein Porträt


 

8 Friedrich, der Schriftsteller (S. 705)

Friedrich der Große hat nicht nur hunderte Musikstücke für den eigenen Hausgebrauch komponiert, von denen einige beachtlich sind. Er hat auch gedichtet, geschriftstellert und unzählige Briefe verfaßt. Warum war das Mitteilungs- und Geltungsbedürfnis dieses Monarchen so groß? – Er wollte gemäß dem Ideal seiner Zeit, dem vielseitig gebildeten und begabten Menschen, auch als Musiker und Schriftsteller wirken und anerkannt werden. Das Vorbild war der im Waffenhandwerk, den Künsten und der Wissenschaften gleichmäßig ausgebildete honnête homme, „das Sinnbild der völlig beherrschten und geformten geistigen und körperlichen Kraft."

Das Ziel war anspruchsvoll, doch als Lohn winkte der Ruf der Einzigartigkeit, der Friedrich so wichtig war. Kriegshelden waren in der Regel amusische, rauhe Gesellen, die nicht selten bereits mit dem Schreiben und Lesen im Kampf lagen. Wer aber den Künsten und der Wissenschaft oblag, war normalerweise zum Kriegshandwerk nicht zu gebrauchen. Das Schwert und die Feder gleichermaßen geschickt führen zu können, durften die wenigsten Zeitgenossen von sich behaupten. Bei Friedrich kam noch hinzu, daß ihm besonders daran gelegen war, sich der europäischen Öffentlichkeit, aber auch seinen höheren Beamten und Offizieren, Brief- und Gesprächspartnern als intellektuell überlegen zu präsentieren.

Seinen häufig sehr ungebildeten Generalen trat er als Staatsmann, Feldherr und schriftstellernder Philosoph, den europäischen Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern als einer der ihren und Schlachtenlenker sowie Regierungschef gegenüber. 1745 bemerkte der französische Gesandte Valory: „Il court après une réputation universelle." Offenkundig ist der Zweck der vielen Briefe, die Friedrich der Große in seinem langen Leben verfaßt hat.

Einerseits drängten ihn seine Veranlagung, seine Menschenverachtung und der frühe Tod manches Begleiters aus der Kronprinzenzeit in die Einsamkeit. Obwohl er sie freiwillig suchte, konnte er doch nicht wirklich mit ihr umgehen. Seine Egozentrik und sein eigenbrötlerischer Lebenswandel gingen Hand in Hand mit einem sehr starken Mitteilungsbedürfnis, das er nur teilweise durch seine langen, die Zuhörer ermüdenden Monologe an der Mittagstafel befriedigen konnte.

Er benötigte zusätzlich weiteren Gedankenaustausch auf seinem intellektuellen Niveau, das er zu Hause zu selten fand. D’Alembert war im Sommer 1763 für drei Monate zu Besuch in Potsdam und berichtete: „Malheureusement, il est presque la seule personne de son royaume avec qui on puisse converser, du moins de ce genre de conversation qu’on ne connaît guère en France et qui est devenu nécessaire, quand on le connaît une fois." Aus der Sicht des Franzosen war Preußen „un pays, où la compagnie n’est ni bonne ni mauvaise, car il n’y en a point."

Der König dachte im Grunde nicht anders. Briefe waren das einzige Kommunikationsmittel jener Zeit, das Entfernungen überwinden konnte zwischen Menschen, die sich etwas zu sagen hatten. Der König korrespondierte besonders gern mit französischen Intellektuellen wie Fontenelle3732, d’Alembert und natürlich Voltaire.3733 Den Kontakt zu Herrschern mied er in der Regel und innerhalb seiner Familie fand er kaum jenes geistige Niveau, das er suchte, nachdem seine Schwester Wilhelmine 1758 gestorben war und die Beziehungen zum Bruder Heinrich begonnen hatten, starken Schwankungen zu unterliegen.

Die papierenen Dialoge hatten gelegentlich auch politische Bedeutung, wenn Friedrich über seine intellektuellen Multiplikatoren die öffentliche Meinung in Frankreich oder Europa beeinflussen wollte. Es ist allerdings unzulässig, aus Friedrichs vielen Briefen und Gedichten für europäische Briefpartner seine jeweiligen (politischen) Ansichten herauslesen zu wollen.